Unser Veranstaltungstipp für die kommende Woche: Gewalt und Militanz – Vortrag und Diskussion mit Thomas Ebermann

Zu Beginn der Veranstaltung gibt es einen kurzen Input zur Mobilisierung gegen den G20-Gipfel.

AK Antifa im JUZ schreibt zur Veranstaltung:

Im August treffen sich in Hamburg Vertreter*innen der G20-Staaten, um Richtlinien zu verhandeln, die den globalen Kapitalismus sichern sollen. Im Vorfeld dazu wird es in Baden-Baden ein Treffen der Finanzminister*innen dieser Staaten geben. Linke Gruppen haben sich zusammengeschlossen, um Proteste gegen diese Treffen zu organisieren. In der medialen Berichterstattung wird bereits jetzt eine Debatte über die erwartete Gewalt geführt. Inhaltliche Fragen geraten in den Hintergrund. Wir betrachten es als notwendig, sich mit dem Thema auseinander zu setzen und eine differenzierte Diskussion zu führen und haben Thomas Ebermann aus Hamburg eingeladen.

Die Diskussion über linke Militanz scheint innerhalb der Linken geprägt durch zwei sich gegenüberstehende Seiten, die beiderseits überladen und fetischisiert sind. Die eine Seite behauptet sinngemäß „Gäbe es keine Militanz, sei es keine revolutionäre Aktion“ und weist Militanz geradezu als revolutionsträchtigen Spezialfall des Aktivismus aus. Auf der anderen Seite sei Militanz „bloße Gewalt“ und es wird kolportiert, dass „wenn es Gewalt gäbe, wäre das unpolitischer anarchistischer Individualterrorismus.“

Selten stößt man auf Beiträge zur Militanzdebatte, welche versuchen aus diesen beiden polarisierten Standpunkten auszubrechen. Meistens wird gar nicht mehr um das politische Element im Militanzbegriff gestritten. Ließt man das linke Genre der Bekenner_innen-Schreiben, welches stilprägend für Beiträge aus Zeitschriften wie der Interim, radikal oder der Indymedia-Kommentarspalte ist, drängt sich der Verdacht auf, das Politische sei völlig abhanden gekommen oder es muss erst im Nachhinein die Verbindung zu linksradikaler Politik rekonstruiert werden.

Militanz als linksradikale politische Aktionsform ist aber nicht nur eine Frage von taktisch-strategischen Überlegungen und von Kräfteverhältnissen, sondern bedarf vor allem einer kritisch-reflektierten, theoretischen Begründung. Hierbei kann es nicht darum gehen Militanz per se als „richtig“ oder „falsch“ hinzustellen. Ein solches, meist moralisches, Werturteil wäre ja selbst unpolitisch. Vielmehr geht es um die Frage, welche Rolle Militanz als Konzept und linksradikale Aktionsform innerhalb sozialer Bewegungen hat und wie und warum sich das Ganze im staatsidealistischen, bürgerlichen Bewusstsein niederschlägt. Kurzum: es geht um die Frage nach Emanzipation und Subversion, nach „angemessenen“ Aktionsformen und den Maßstab linksradikaler Politik.

Thomas Ebermann lebt in Hamburg und ist als Publizist tätig. In den 1970er-Jahren engagierte er sich aktiv im Kommunistischen Bund (KB). Als Beteiligter an der Gründung der Grünen zog er in den 1980er-Jahren für die Partei als Abgeordneter in die Hamburger Bürgerschaft und den Bundestag ein. 1982 nahm Ebermann als Abgeordneter an der Besetzung einer leerstehenden Polizeiwache in Hamburg teil und wurde festgenommen. Später beklagte er seine Einflusslosigkeit in der von Realos geprägten Grünen-Fraktion; 1990 verließ er die Partei gemeinsam mit anderen Vordenkern des ökosozialistischen Flügels. Ebermann tritt seitdem gemeinsam mit Rainer Trampert in politisch-satirischen Lesungen auf, publiziert in verschiedensten linken Medien und hat mit „Der Firmenhymnenhandel“ auch ein arbeitskritisches Theaterstück verfasst.

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